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Was ist ein Entspannungstraining? Ganz konkret trainieren wir in einem solchen Kurs - so wie wir bei einem körperlichen Training die Muskeln und Gelenke trainieren - neben dem Körper ganz gezielt den Geist. Wir lernen zu entspannen. Da Entspannung nicht für jeden so ganz einfach ist, muss tatsächlich trainiert werden, damit sich Erfolge einstellen können.
Warum brauchen wir überhaupt Entspannung? Entspannung ist ein ganz natürlicher Vorgang, den der Körper, der Geist und auch die Seele brauchen, nachdem eine Stresssituation vorbei ist. Stress ist ein automatischer Vorgang des Körpers. Wir reagieren auf bestimmte Reize - früher war das z. B. das Auftauchen einen Säbelzahntigers, das entsprechende Reaktionen hervorgerufen hat, die nötig waren, um unser Leben zu retten - mit der Aktivierung des Sympathikus. Dieser aktiviert Handlungsbereitschaft, indem der Blutdruck steigt, Adrenalin ausgeschüttet wird, die Muskeln sich anspannen, das Denken sich auf eine Sache bündelt, die Atmung schneller wird und die Verdauungstätigkeit sich reduziert.
Dies alles brauchen wir, damit wir schnell genug flüchten und uns in Sicherheit bringen können, wo dann alle diese Reaktionen langsam wieder herunter gefahren werden können. Wie in Wellen gibt es also Anspannungs- und Entspannungssituationen. Darauf ist unser Organismus ausgerichtet.
Haben wir jetzt aber dauernde Anspannung - z. B. fordert die Arbeitssituation kontinuierliche hohe Aufmerksamkeit, oder wir sind unsicher, wer tatsächlich Freund oder Feind in der Arbeit ist - entsteht eine Dauerreaktion des Sympathikus. Auch ist es uns oft nicht klar, wann die stressverursachende Gefahr tatsächlich vorüber ist. Unser Körper hält daher den Adrenalinspiegel auf "Dauerhoch" und wir schaffen es nicht mehr, herunter zu kommen. Da wir uns oft auch noch nachts - im Schlaf oder auch bei Schlaflosigkeit - noch mit den Problemen des Tages beschäftigen, gäbe es nur noch das Wochenende, das uns die Möglichkeit der Erholung gibt. Das Wochenende ist aber bei erhöhter Stressbelastung meistens zu kurz, um tatsächlich zu entspannen, der Erholungseffekt reicht vielleicht gerade mal für den ersten Arbeitstag aus. Außerdem kommen da oft auch noch die Anforderungen der Familie dazu. Alles, was während der Woche nicht erledigt werden kann, muss dann noch schnell gemacht werden. Tatsächliche Mußezeiten gibt es nicht mehr ausreichend.
Oft passiert es dann auch noch, dass wir am Wochenende, oder im Urlaub, krank werden. Eine eher natürliche Reaktion des Körpers, da hier die Daueranspannung und Stressreaktionen zurückfahren. In einer Gefahrensituation dürfen wir nicht krank werden. In der Erholungsphase holt sich der Körper dann eine Auszeit und reagiert mit Krankheit. Das sehen wir aber natürlich nicht so, sondern sind mit unserem Körper nicht so ganz freundlich, wenn er dann eben nicht mehr funktioniert, wenn er doch erholen dürfte. Wir sehen es nicht als Signal, dass eigentlich alles zu viel ist.
Nötige Ressourcen können so nicht mehr - oder nicht ausreichend - aufgebaut werden. Wir bleiben in dauernder erhöhter Handlungsbereitschaft und sehen meist kein Ende.
Hier müssen wir irgendwann reagieren. Möglichst, bevor der Burnout kommt und wir seelisch und körperlich zusammenbrechen.
Entspannungstraining tut also Not in unserer fortschrittlichen Welt. Denn Entspannen haben wir meistens verlernt, oder noch nie erlernt. Es wurde einfach nie so viel Wert darauf gelegt, da es eine solch stressbeladene Zeit wie heute noch nie gab. Wir übernehmen daher einfach die Muster, die wir von unseren Ahnen kennen, legen uns aufs Sofa, sehen fern und schlafen dabei ein. Der Körper kennt es leider so, dass wir - wenn wir uns hinlegen - nur schlafen können. Eine aktive Entspannung kennt er meist nicht. Genau dies aber muss er - zur aktiven Erholung - lernen.
Da es sehr viele unterschiedliche Entspannungsverfahren gibt, ganz dem angepasst, dass es sehr unterschiedliche Entspannungstypen gibt, erproben wir in einem Entspannungstraining verschiedenste, bewährte Techniken. Wir erlernen Kurzentspannungen - für den Notfall ganz wichtig - aber auch längere Entspannungsverfahren, die auch zuhause unbedingt eingeübt werden müssen. Das ist das Elementare, dass der Körper weiß, wenn ich mich hinlege, dann kann ich entspannen. Wenn der Körper entspannt, kann auch der Geist entspannen. Nach einem angespannten Arbeitstag weiß der Körper dann, jetzt kann ich wieder entspannen und alle Überreaktionen beenden.
Neben den praktischen Übungen - wie autogenes Training, progressive Muskelrelaxation, Atementspannung etc. - ist es aber auch nötig, seine eigenen Stresssituationen konkret anzuschauen. Sind wir uns erst einmal im klaren, warum wir wann entsprechend "gestresst" reagieren, können wir mit den nächsten ähnlichen Situationen anders umgehen, sie tatsächlich auch umgehen. Uns nicht mehr so ganz in die automatische Reaktion hineinbegeben, sondern lernen, Distanz zu wahren und entsprechend relaxter zu sein. Das heißt nicht, dass wir kein großes Interesse mehr an der Arbeit oder der Umwelt mehr haben, nein wir können sogar klarer denken und sind oft deutlich effektiver, weil strukturierter.
Entspannen lernen ist ein aktiver Weg, der tatsächlich Training braucht. Wenn wir für ein - möglichst - tägliches Üben bereit sind, dann werden wir schneller als wir denken Erfolge verspüren und einem Burnout vorbeugen können.
Sind Sie bereit dazu gegen Ihren Stress aktiv etwas zu tun?
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